Auktion: 606 / Evening Sale am 12.06.2026 in München → Lot 126000143
126000143
Ernst Ludwig Kirchner
Hommage à Klee (Bildnis Paul Klee und Frau), 1935/36.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 300.000 - 400.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
126000143
Ernst Ludwig Kirchner
Hommage à Klee (Bildnis Paul Klee und Frau), 1935/36.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 300.000 - 400.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
Ernst Ludwig Kirchner
1880 - 1938
Hommage à Klee (Bildnis Paul Klee und Frau). 1935/36.
Öl auf Leinwand.
Rechts unten mit einem Fragment der Signatur. Verso mit dem Nachlassstempel (Lugt 1570 b) und der handschriftlichen Nummerierung "Da/Ba 41". 54 x 65 cm (21,2 x 25,5 in).
Das Werk ist im Photoalbum IV des Künstlers enthalten (Photo 17).
Eine erste Begegnung mit Paul Klee erwähnt E. L. Kirchner im Mai 1934 in einem Brief an Dr. Carl Hagemann. Über seinen Aufenthalt in Bern im Februar 1934 und den Besuch der Klee-Ausstellung berichtet Kirchner in Briefen an seine Lebensgefährtin Erna Schilling und an Dr. Frédéric Bauer am 18. Februar sowie an Dr. Carl Hagemann am 7. März 1934.
• Kirchner malt Klee: das Gemälde vereint zwei zentrale Schlüsselfiguren und Wegbereiter der europäischen Moderne.
• Seine Begegnung mit Paul Klee 1934 erwähnt Kirchner in mehreren Briefen und pflegt mit dem Künstler postalisch zudem ein kameradschaftliches Verhältnis.
• Geteiltes Schicksal: Beide Künstler leben damals in der Schweiz und werden von den Nationalsozialisten als "entartete Künstler" diffamiert.
• Im Spotlight: mit dieser "Hommage à Klee" zollt Kirchner seinem avantgardistischen Künstlerkollegen große Anerkennung.
• Vielfach publiziert und ausgestellt.
• Seit über 60 Jahren Teil einer deutschen Privatsammlung.
Dieses Werk ist im Ernst Ludwig Kirchner Archiv, Wichtrach/Bern, dokumentiert.
PROVENIENZ: Nachlass des Künstlers, Davos (1938).
Erna Schilling (1884-1945), Davos (die Lebensgefährtin des Künstlers, bis 1945).
Kunstmuseum Basel (als Depositum mit dem restl. Nachlass des Künstlers, 1946-1954).
Curt Valentin Gallery, New York (1954 vom Vorgenannten erworben).
Galerie Roman Norbert Ketterer, Campione d'Italia (1955).
Privatsammlung Deutschland (1963 vom Vorgenannten erworben).
AUSSTELLUNG: E. L. Kirchner. Werke aus dem Nachlass, zum ersten Male in Deutschland, aus Anlass seines 70. Geburtstages (Gordon papers: Deutschlandausstellung), Kunstverein in Hamburg; Kestner-Gesellschaft, Hannover; Kunsthalle Bremen; Von der Heydt-Museum, Wuppertal, 1950/51, Kat.-Nr. 40 (m. SW-Abb.).
E. L. Kirchner, Galerie Curt Valentin, New York 1952, Kat.-Nr. 24 (auf dem Keilrahmen mit dem Ausst.-Etikett).
E. L. Kirchner 1880-1938. Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen, Graphik (Zur Erinnerung an den 75. Geburtstag des Künstlers), Württembergischer Kunstverein, Stuttgart, 8.9.-20.10.1956, Kat.-Nr. 36 (m. SW-Abb.).
Meisterwerke des deutschen Expressionismus, Kunsthalle Bremen; Kunstverein Hannover; Gemeentemuseum / Stedelijk Museum, Den Haag; Wallraff-Richartz-Museum, Köln; Kunsthaus Zürich, 1960/61, Kat.-Nr. 55.
Die Dreissiger Jahre: Schauplatz Deutschland, Haus der Kunst, München, 11.2.-17.4.1977; Museum Folkwang, Essen, 30.4.-3.7.1977; Kunsthaus Zürich, 15.7.-18.9.1977, S. 38, Kat.-Nr. 33 u. 205 (m. SW-Abb., Nr. 22).
Ernst Ludwig Kirchner 1880-1938, Nationalgalerie, Staatliche Museen Preußischer Kulturbesitz, Berlin, 29.11.1979-20.1.1980; Haus der Kunst, München, 9.2.-13.4.1980; Museum Ludwig, Köln, 26.4.-8.6.1980; Kunsthaus Zürich, 20.6.-10.8.1980, Kat.-Nr. 402 (m. Farbabb., S. 306, auf dem Keilrahmen mit dem Ausst.-Etikett).
LITERATUR: Donald E. Gordon, Ernst Ludwig Kirchner, München 1968, S. 150 u. 417, WVZ-Nr. 984 (m. SW-Abb. und mit Farbabb., Tafel 111).
- -
Erna Kirchner (Schilling), Das Photoalbum II 26, 1937, Kat.-Nr. 9.
Will Grohmann, E. L. Kirchner, New York 1961, S. 24.
Galleria Roman Norbert Ketterer, Moderne Kunst, Campione d'Italia 1963 (m. Farbabb. u. Farbabb. auf dem Umschlag).
Werner Haftmann, Verfemte Kunst. Bildende Künstler der inneren und äußeren Emigration in der Zeit des Nationalsozialismus, Köln 1986, S. 117 (m. SW-Abb.).
Marcel Baumgartner und Beat Stutzer, Ausst.-Kat. Paul Klee. Spätwerke 1937-1940, Bündner Kunstmuseum, Chur, Chur 1986, S. 116 (m. SW-Abb.).
Beat Stutzer, Ernst Ludwig Kirchners Werke in Schweizer Museen. Zur Rezeption und Sammlungsgeschichte, in: Ausst.-Kat. Ernst Ludwig Kirchner. Die Werke in Schweizer Museen, Kirchner-Museum Davos, Davos 1995, S. 34.
Tilman Osterwold (Hrsg.), Ausst.-Kat. Paul Klee. Aquarelle aus der Berner Zeit 1933-1940, Städtische Galerie Altes Theater, Ravensburg, Stuttgart 1995, S. 104, Anm., Nr. 18.
Osamu Okuda, Konkurrenz und Kameradschaft. Ernst Ludwig Kirchners Verhältnis zu Paul Klee, in: Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München (Hrsg.) und Cathrin Klingsöhr-Leroy, Ausst.-Kat. Klee, Winter, Kirchner 1927-1934, Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster; Neue Pinakothek, München, München 2001, S. 92 (m. SW-Abb., S. 93).
Stefan Tolksdorf, Der Klang der Dinge. Paul Klee - ein Leben, Freiburg i. Br./Basel/Wien 2005, S. 214.
Bettina Kaufmann, Symbol und Wirklichkeit. Ernst Ludwig Kirchners Bilder aus der Phantasie und Edvard Munchs Lebensfries (Diss.), Europäische Hochschulschriften, Reihe XXVIII Kunstgeschichte, Bd. 420, Bern 2007, S. 336 (m. Abb., Nr. 190).
Hans Delfs (Hrsg.), Ernst Ludwig Kirchner - Der gesamte Briefwechsel. "Die absolute Wahrheit, so wie ich sie fühle", Zürich 2010, Briefe Nr. 3440 u. 3443.
Walther Fuchs, Leben im Provisorium, in: Zentrum Paul Klee (Hrsg.), Mit Klee durch Bern. Spaziergänge in Stadt und Umgebung, Bern 2015, S. 103-108 (m. Farbabb., S. 107).
Joachim Haas, Eine freie Linie verbindet Klee und Kirchner, in: Kunstverein Schweinfurt e.V. (Hrsg.), Ausst.-Kat. Die freie Linie. Paul Klee - Ernst Ludwig Kirchner (Zeichnungen und Graphik von 1904 bis 1925, Kunsthalle Schweinfurt, Schweinfurt 2016, S. 7-12 u. S. 67-71 (m. Farbabb.).
Brigitte Schad (Hrsg.), Begegnungen. Ernst Ludwig Kirchner und Paul Klee, KirchnerHaus Museum, Aschaffenburg, Aschaffenburg 2021, S. 9f. (m. Farbabb., S. 10).
"[..] daß ich Klee kennenlernte, schrieb ich Ihnen wohl schon. Ein netter Mensch. Er wird nun Schweizer in Bern [..]."
E. L. Kirchner in einem Brief an Dr. Carl Hagemann, Mai 1934.
1880 - 1938
Hommage à Klee (Bildnis Paul Klee und Frau). 1935/36.
Öl auf Leinwand.
Rechts unten mit einem Fragment der Signatur. Verso mit dem Nachlassstempel (Lugt 1570 b) und der handschriftlichen Nummerierung "Da/Ba 41". 54 x 65 cm (21,2 x 25,5 in).
Das Werk ist im Photoalbum IV des Künstlers enthalten (Photo 17).
Eine erste Begegnung mit Paul Klee erwähnt E. L. Kirchner im Mai 1934 in einem Brief an Dr. Carl Hagemann. Über seinen Aufenthalt in Bern im Februar 1934 und den Besuch der Klee-Ausstellung berichtet Kirchner in Briefen an seine Lebensgefährtin Erna Schilling und an Dr. Frédéric Bauer am 18. Februar sowie an Dr. Carl Hagemann am 7. März 1934.
• Kirchner malt Klee: das Gemälde vereint zwei zentrale Schlüsselfiguren und Wegbereiter der europäischen Moderne.
• Seine Begegnung mit Paul Klee 1934 erwähnt Kirchner in mehreren Briefen und pflegt mit dem Künstler postalisch zudem ein kameradschaftliches Verhältnis.
• Geteiltes Schicksal: Beide Künstler leben damals in der Schweiz und werden von den Nationalsozialisten als "entartete Künstler" diffamiert.
• Im Spotlight: mit dieser "Hommage à Klee" zollt Kirchner seinem avantgardistischen Künstlerkollegen große Anerkennung.
• Vielfach publiziert und ausgestellt.
• Seit über 60 Jahren Teil einer deutschen Privatsammlung.
Dieses Werk ist im Ernst Ludwig Kirchner Archiv, Wichtrach/Bern, dokumentiert.
PROVENIENZ: Nachlass des Künstlers, Davos (1938).
Erna Schilling (1884-1945), Davos (die Lebensgefährtin des Künstlers, bis 1945).
Kunstmuseum Basel (als Depositum mit dem restl. Nachlass des Künstlers, 1946-1954).
Curt Valentin Gallery, New York (1954 vom Vorgenannten erworben).
Galerie Roman Norbert Ketterer, Campione d'Italia (1955).
Privatsammlung Deutschland (1963 vom Vorgenannten erworben).
AUSSTELLUNG: E. L. Kirchner. Werke aus dem Nachlass, zum ersten Male in Deutschland, aus Anlass seines 70. Geburtstages (Gordon papers: Deutschlandausstellung), Kunstverein in Hamburg; Kestner-Gesellschaft, Hannover; Kunsthalle Bremen; Von der Heydt-Museum, Wuppertal, 1950/51, Kat.-Nr. 40 (m. SW-Abb.).
E. L. Kirchner, Galerie Curt Valentin, New York 1952, Kat.-Nr. 24 (auf dem Keilrahmen mit dem Ausst.-Etikett).
E. L. Kirchner 1880-1938. Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen, Graphik (Zur Erinnerung an den 75. Geburtstag des Künstlers), Württembergischer Kunstverein, Stuttgart, 8.9.-20.10.1956, Kat.-Nr. 36 (m. SW-Abb.).
Meisterwerke des deutschen Expressionismus, Kunsthalle Bremen; Kunstverein Hannover; Gemeentemuseum / Stedelijk Museum, Den Haag; Wallraff-Richartz-Museum, Köln; Kunsthaus Zürich, 1960/61, Kat.-Nr. 55.
Die Dreissiger Jahre: Schauplatz Deutschland, Haus der Kunst, München, 11.2.-17.4.1977; Museum Folkwang, Essen, 30.4.-3.7.1977; Kunsthaus Zürich, 15.7.-18.9.1977, S. 38, Kat.-Nr. 33 u. 205 (m. SW-Abb., Nr. 22).
Ernst Ludwig Kirchner 1880-1938, Nationalgalerie, Staatliche Museen Preußischer Kulturbesitz, Berlin, 29.11.1979-20.1.1980; Haus der Kunst, München, 9.2.-13.4.1980; Museum Ludwig, Köln, 26.4.-8.6.1980; Kunsthaus Zürich, 20.6.-10.8.1980, Kat.-Nr. 402 (m. Farbabb., S. 306, auf dem Keilrahmen mit dem Ausst.-Etikett).
LITERATUR: Donald E. Gordon, Ernst Ludwig Kirchner, München 1968, S. 150 u. 417, WVZ-Nr. 984 (m. SW-Abb. und mit Farbabb., Tafel 111).
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Erna Kirchner (Schilling), Das Photoalbum II 26, 1937, Kat.-Nr. 9.
Will Grohmann, E. L. Kirchner, New York 1961, S. 24.
Galleria Roman Norbert Ketterer, Moderne Kunst, Campione d'Italia 1963 (m. Farbabb. u. Farbabb. auf dem Umschlag).
Werner Haftmann, Verfemte Kunst. Bildende Künstler der inneren und äußeren Emigration in der Zeit des Nationalsozialismus, Köln 1986, S. 117 (m. SW-Abb.).
Marcel Baumgartner und Beat Stutzer, Ausst.-Kat. Paul Klee. Spätwerke 1937-1940, Bündner Kunstmuseum, Chur, Chur 1986, S. 116 (m. SW-Abb.).
Beat Stutzer, Ernst Ludwig Kirchners Werke in Schweizer Museen. Zur Rezeption und Sammlungsgeschichte, in: Ausst.-Kat. Ernst Ludwig Kirchner. Die Werke in Schweizer Museen, Kirchner-Museum Davos, Davos 1995, S. 34.
Tilman Osterwold (Hrsg.), Ausst.-Kat. Paul Klee. Aquarelle aus der Berner Zeit 1933-1940, Städtische Galerie Altes Theater, Ravensburg, Stuttgart 1995, S. 104, Anm., Nr. 18.
Osamu Okuda, Konkurrenz und Kameradschaft. Ernst Ludwig Kirchners Verhältnis zu Paul Klee, in: Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München (Hrsg.) und Cathrin Klingsöhr-Leroy, Ausst.-Kat. Klee, Winter, Kirchner 1927-1934, Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster; Neue Pinakothek, München, München 2001, S. 92 (m. SW-Abb., S. 93).
Stefan Tolksdorf, Der Klang der Dinge. Paul Klee - ein Leben, Freiburg i. Br./Basel/Wien 2005, S. 214.
Bettina Kaufmann, Symbol und Wirklichkeit. Ernst Ludwig Kirchners Bilder aus der Phantasie und Edvard Munchs Lebensfries (Diss.), Europäische Hochschulschriften, Reihe XXVIII Kunstgeschichte, Bd. 420, Bern 2007, S. 336 (m. Abb., Nr. 190).
Hans Delfs (Hrsg.), Ernst Ludwig Kirchner - Der gesamte Briefwechsel. "Die absolute Wahrheit, so wie ich sie fühle", Zürich 2010, Briefe Nr. 3440 u. 3443.
Walther Fuchs, Leben im Provisorium, in: Zentrum Paul Klee (Hrsg.), Mit Klee durch Bern. Spaziergänge in Stadt und Umgebung, Bern 2015, S. 103-108 (m. Farbabb., S. 107).
Joachim Haas, Eine freie Linie verbindet Klee und Kirchner, in: Kunstverein Schweinfurt e.V. (Hrsg.), Ausst.-Kat. Die freie Linie. Paul Klee - Ernst Ludwig Kirchner (Zeichnungen und Graphik von 1904 bis 1925, Kunsthalle Schweinfurt, Schweinfurt 2016, S. 7-12 u. S. 67-71 (m. Farbabb.).
Brigitte Schad (Hrsg.), Begegnungen. Ernst Ludwig Kirchner und Paul Klee, KirchnerHaus Museum, Aschaffenburg, Aschaffenburg 2021, S. 9f. (m. Farbabb., S. 10).
"[..] daß ich Klee kennenlernte, schrieb ich Ihnen wohl schon. Ein netter Mensch. Er wird nun Schweizer in Bern [..]."
E. L. Kirchner in einem Brief an Dr. Carl Hagemann, Mai 1934.
Kirchner in Davos: Abgeschiedenheit und intensiver künstlerischer Austausch
Bereits nach dem Ende des Ersten Weltkriegs zieht E. L. Kirchner mit seiner Lebensgefährtin Erna Schilling in die abgeschiedene Bergwelt der Schweizer Alpen, nahe Davos. Ab 1923 findet das Paar auf dem Wildboden im Sertigtal mit dem sog. "Wildbodenhaus" ein festes Domizil, das beide bis zu ihrem jeweiligen Lebensende (1938 bzw. 1945) bewohnen.
Trotz dieser ländlichen Umgebung und Abgeschiedenheit in seinem Schweizer Bergdorf ist Kirchner über die politischen und kulturellen Ereignisse in Deutschland und in der restlichen Schweiz bestens informiert. Durch die Lektüre von Kunstzeitschriften und -büchern sowie durch seinen intensiven Briefkontakt mit zahlreichen Bekannten, Förderern und Galeristen weiß er genau, wann und wo welche Ausstellungen eröffnet werden, lässt sich die neuesten Publikationen zusenden und verfolgt das Kunstschaffen seiner deutschen Künstlerkollegen mit großem Interesse.
So ist Kirchner u. a. im Besitz beinahe sämtlicher Bauhaus-Bücher sowie der 1920 und 1921 erschienenen Klee-Monografien von Leopold Zahn und Wilhelm Hauenstein. 1930 lässt er sich dann auch die neue, 1929 publizierte Klee-Monografie von Will Grohmann zuschicken.
Über die Künstler am Bauhaus und die Arbeiten Paul Klees äußert sich Kirchner bereits in den 1920er Jahren in einigen Briefen äußerst positiv und bezeichnet sie später sogar als "feine Kunst" (Brief an Grete Ring, Nr. 2758, 5.12.1932). An den befreundeten Kunstsammler Carl Hagemann schreibt Kirchner: "Leute wie Klee, Kandinsky etc. sind mir wieder viel näher gekommen, überhaupt schätze ich das Bauhaus immer mehr." (Brief vom 26.3.1926) Wenige Jahre später schreibt Kirchner: "Ich will gern wieder mal nach Deutschland kommen und gern besonders Dessau sehen und den dortigen Kämpfern die Hand drücken. Es sind doch gute Leute dort. Kandinsky, Klee, Gropius, Schlemmer." (Brief an den Kunsthistoriker Will Grohmann, 4.1.1928)
Der avantgardistische Geist der Bauhaus-Künstler und ihr Wunsch nach Erneuerung scheint Kirchner zu faszinieren und auch seinen eigenen künstlerischen Überlegungen, seinem lebenslangen Drang nach Veränderung und Weiterentwicklung zu entsprechen: "Ich spüre […] mit Schlemmer und Klee und Kandinsky eine innere Verwandtschaft, näher und innerlicher, als ich sie je mit Künstlern früher hatte. […] alles ist so sympathisch, so vertraut, als wären es Freunde oder Brüder." (Brief an Ernst Gosebruch, Nr. 2202, 4.7.1929)
Deutschland den Rücken kehren
In den 1930er Jahren verbindet E. L. Kirchner und Paul Klee im Zuge der Zäsuren und der Diffamierung durch die NS-Kunstpolitik zudem ein geteiltes Schicksal. Während Kirchner bereits in den frühen 1920er Jahren in die Schweiz auswandert und die politischen Ereignisse in Deutschland größtenteils aus der Ferne beobachtet, entscheidet sich Paul Klee erst Mitte der 1930er Jahre Deutschland den Rücken zu kehren. 1931 hatte Klee das Dessauer Bauhaus verlassen, das im darauffolgenden Jahr von den Nationalsozialisten ohnehin geschlossen wird, und erhält eine Professur an der Kunstakademie in Düsseldorf. Bereits 1933, wenige Tage nach Hitlers Machtübernahme, wird jedoch deren Direktor Walter Kaesbach entlassen und das von der Familie Klee noch bewohnte Meisterhaus in Dessau einer Hausdurchsuchung unterzogen. Paul Klee zieht es angesichts dieser Ereignisse für einige Wochen in die Schweiz. Er bittet einen guten Freund, seinen endgültigen Umzug vorzubereiten.
In Deutschland wird seine Kunst sehr negativ besprochen. So schreibt bspw. ein Funktionär des "Kampfbundes für deutsche Kultur" in diesem Jahr: "[…] und dass man Paul Klee einmal als grossen Künstler ansehen konnte, wird für künftige Generationen eines der deutlichsten Exempel des völligen geistigen Verfalls der individualistischen Kulturepoche sein. Dinge, die nur die Lachmuskeln reizen konnten, wie das irrsinnige, kindische Geschmiere eines Klee …" (Robert Scholz, Kunstgözen stürzen, zit. nach: Beat Stutzer, Paul Klee 1933-1940, in: Ausst.-Kat. Paul Klee. Spätwerke 1937-1940, Bündner Kunstmuseum, Chur 1986, S. 111f.)
Im April 1933 wird Klee zunächst beurlaubt und im Spätherbst fristlos aus seiner Lehrtätigkeit entlassen. Will Grohmanns Monografie ˈPaul Klee. Handzeichnungen 1921-1930ˈ wird bei Erscheinen 1934 verboten und auf den Index gesetzt, auf die ˈListe des schädlichen und unerwünschten Schrifttumsˈ. In der Münchener Ausstellung ˈEntartete Kunstˈ ist Paul Klee 1937 mit 17 Werken vertreten, über 100 seiner Werke werden aus öffentlichen deutschen Sammlungen beschlagnahmt. Auf Drängen von Lily Klee erfolgt bereits im Januar 1934 die Übersiedlung in die Schweiz. Gemeinsam wohnen sie fortan in Klees Geburtstadt Bern. In einem Brief an seinen Kunsthändler Daniel-Henry Kahnweiler schreibt Klee: "In Bern gefällt es mir gut. […] Zur Zeit ist es wie ein Märchen, grosser Knall – von vorn anfangen." (Brief vom 10.1.1934, zit. nach: ebd.)
Kirchner verfolgt die Geschehnisse in Deutschland sehr genau, jedoch mit Sicherheitsabstand aus seiner Wahlheimat Davos. Sein Schaffen wird wie das vieler weiterer großer deutscher Avantgarde-Künstler Ablehnung und Diffamierung ausgesetzt und insgesamt über 600 seiner Werke werden als ˈentarteteˈ Kunst aus deutschen Museen entfernt. An seinen Bruder schreibt Kirchner 1935: "Es ging ein Aufsatz durch alle deutsche Blätter, wo ich, Klee, Kandinsky, Grosz und Dix in einen Topf geworfen und [...] gebrandmarkt wurden. […] Ich muß es eben in Kauf nehmen wenn der NS mein Tun aus Irrtum bekämpft." (E. L. Kirchner an Ulrich Kirchner, 3139. Brief, 21.9.1935)
Auch über Klees Umzug nach Bern weiß Kirchner bereits früh Bescheid. Seiner Lebensgefährtin Erna Schilling berichtet er "Klee lebt jetzt für die Dauer hier, sehr bescheiden in Dachwohnung, muss neu anfangen nochmals. Düsseldorfer Professur verloren. Ja, ja, es ist schlimm, modern zu malen. Wir haben uns 2mal nicht getroffen. Vielleicht sehe ich ihn aber noch." (2976. Brief, 27.5.1934)
Kirchner trifft Klee
Kirchner schätzt Klees künstlerisches Schaffen ungemein und möchte ihn nach dessen Umzug in die Schweiz auch unbedingt persönlich kennenlernen. So scheint es im Mai 1934 den Versuch eines Besuchs bei Lily und Paul Klee in Bern gegeben zu haben, Kirchner schreibt: "Lieber Herr Klee, das hat mir sehr leid getan, dass ich Sie nicht sah, vielleicht versuche ich es morgen nochmal, Sie zu treffen in der Kollerstrasse. Ich will Sie gewiss nicht stören, nur mal sehen. Ich kenne und schätze Sie und Ihre Arbeit schon so lange und heute müssen wir alle, die wir für die Kunst kämpfen zusammenhalten, sie ist mehr in Gefahr wie je. […] Vielleicht passt es Ihnen, wenn ich morgen gegen 11, 12 Uhr bei Ihnen vorbeikomme? Ich gehe erst in die Kunsthalle und von dort bei Ihnen vorbei. Sind Sie nicht da, macht es nichts, lassen Sie Sich nicht etwa von anderem abhalten. Ich bin bis Mittwoch etwa hier. Alles Gute Ihnen und viele Grüsse Ihres E.L. Kirchner" (2977. Brief, 27.05.1934) Das Treffen findet damals ganz offensichtlich statt, denn kurz darauf berichtet Kirchner dem befreundeten Kunstsammler Carl Hagemann "[...] daß ich Klee kennenlernte, schrieb ich Ihnen wohl schon. Ein netter Mensch." (2987. Brief, 15.06.1934)
Klees Ehefrau Lily scheint auf den Besuch des großen Expressionisten jedoch mit gemischten Gefühlen zurückzublicken, sie schreibt an eine Bekannte: Auch Kirchner besuchte uns hier [...]. Ein ganz bedeutender u. interessanter doch irgendwie unerfreulicher Mensch.“ (Brief an Gertrud Grohmann, 27.6.1934, zit. nach: Ausst.-Kat. Begegnungen. Kirchner – Klee, Aschaffenburg 2021, S. 10)
Im Februar/März 1935 zeigt die Kunsthalle Bern dann eine umfassende Einzelausstellung mit über 250 Arbeiten Paul Klees aus der Zeit seit 1919, für die Kirchner eigens nach Bern reist. Die Eröffnung verpasst er aufgrund einer Fehlinformation jedoch: "Mein lieber geehrter Herr und Frau Klee. Durch den falschen Bericht im Werk kam ich Sonntag, um die Eröffnung Ihrer Ausstellung mitzumachen und fand die Türen zu. Nun weiß ich nicht, ob mir die Zeit reicht, am Freitag wiederzukommen und deshalb will ich Ihnen lieber zuvor wenigstens Alles Gute und den Erfolg wünschen, den Sie gern hätten. Mit herzlichem Gruß einen kameradschaftlichen Händedruck von Ihrem EL Kirchner" (3060. Brief, 19.02.1935).
Paul Klee antwortet Kirchner umgehend: "Lieber Herr Kirchner, das hat mir aufrichtig leid getan dass Sie mich unter 20 dummen Umständen nicht in der Kunsthalle trafen. Ich denke aber dass es sich nachholen lässt? Hier die Ausstellung bleibt ja noch geraume Zeit hängen. Mit besten Grüßen Ihr Klee / Herzl. Grüße L. Klee" (3065. Brief, 28.2.1935).
Kirchner antwortet umgehend und äußert den Wunsch, Klee bald einmal wiederzusehen: „Lieber Herr Klee / vielen Dank für Ihre frdl. Karte, hoffentlich hat Ihre schöne Ausstellung nun den verdienten Erfolg und ist die Eröffnung gut verlaufen./ Einiges habe ich gesehen, als ich Dr. H. [Hugger] ein wenig beim Hängen half. Ich hatte auch Ihre neue Adresse und Telephonnummer nicht und dachte, dass Sie ohnehin den Kopf voll hatten und wir uns besser zu ruhigerer Zeit wiedersehen werden. […] Ihrer Frau und Ihnen / alles Gute und herzliche Grüße / Ihr E. L. Kirchner" (3066. Brief, 1.3.1935)
In den darauffolgenden Monaten bleiben Kirchner und Klee sporadisch in Kontakt. Ein weiteres Treffen ist jedoch nicht überliefert. Im Mai lädt Kirchner das Ehepaar Klee ein, seine Ausstellung im Kupferstichkabinett im Kunstmuseum Basel zu besuchen, im Januar sendet er einen freundlichen Neujahrsgruß an Klee und lädt das Ehepaar ein, ihn doch einmal in Davos zu besuchen: "Lieber Herr Klee, ich höre eben mit Bedauern, dass Sie krank waren. Da wünsche ich Ihnen für 36 Ihre Genesung und somit Alles Gute was Sie und Ihre Frau Sich wünschen. Wenn Sie die Höhe brauchen, kommen Sie zu uns nach Davos, Luft und Sonne sind schön hier. Mit herzlichem Gruss und Händedruck Ihnen und Ihrer lieben Frau / Ihr E. L. Kirchner" (3164. Brief, 2.1.1936) Die Antworten Paul Klees sind, vermutlich auch wegen seiner schlechten gesundheitlichen Verfassung, leider nicht überliefert.
Hommage à Klee
Das Gemälde entsteht sicherlich im Anschluss an Kirchners erwähnten Besuch beim Ehepaar Klee in Bern im Frühjahr 1934. Zwei vorbereitende Zeichnungen und Skizzen, die noch während Kirchners Besuch entstanden sein könnten, zeugen von einer ausführlichen Beschäftigung und intensiven künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Motiv. Im ersten Entwurf in Tusche hält der Künstler seinen Kater noch auf dem Arm und alle Augen sind auf Klee gerichtet. Im finalen Entwurf in Bleistift schaut der freche, auf einem Sessel Hintergrund thronende Kater direkt zum Betrachter, doch Klee ist und bleibt der unumstrittene Hauptperson im Mittelpunkt des Geschehens und das absolute und geistige Zentrum des Bildes.
Während sich E. L. Kirchners Werk in den früheren Schaffensjahren der "Brücke" in Dresden und Berlin mit dynamischem, bewegtem Strich, flirrenden Konturen und zum Teil spitzen, kantigen Formen auf die expressive und unmittelbare Übersetzung des Gesehenen und Erlebten fokussiert, erlebt sein Schaffen in den 1920er und dann erneut in den 1930er Jahren in Davos deutliche stilistische und formale Weiterentwicklungen. Der Künstler findet nun zu einer betont flächigen Malweise und abstrahiert seine figurativen Darstellungen, hin zu nahezu geometrischen Gebilden.
Die Formen werden nun einfacher, abstrahierter und die geschwungene Linie bzw. die Kontur spielt eine viel größere Rolle als in den Jahren zuvor. Die Farbflächen sind klar und kontrastreich voneinander abgegrenzt und in einigen Gemälden, wie auch in dieser "Hommage à Klee", erzeugt Kirchner durch den Einsatz eines Lichtkegels und dadurch hervorgerufenen Farbveränderungen ein faszinierendes Licht- und Schattenspiel.
Wie durch ein Spotlight auf der Theaterbühne werden ganz bestimmte Bereiche der privaten Szene hervorgehoben: Klee selbst, seine Violine, eines seiner Werke und das helle Fenster im Hintergrund, die linke Gesichtshälfte seiner Frau Lily, die scheinbar bewundernd zu ihm hinüberschaut sowie der weiße statueske Kater. Farblich werden diese Partien klar von den äußeren, deutlich dunkleren Bereichen abgerenzt. Ebendiese Elemente des Gemäldes verwendet Kirchner, um über Künstlerpersönlichkeit Paul Klee ein wenig mehr zu erzählen. Zum einen weist er ihn mit den farbstarken Gemälden im Hintergrund natürlich als Künstler aus, zum anderen beleuchtet er auch die private Seite Malers. So verweist die Violine, die Paul Klee mit beiden Händen umfasst, auf seine große Liebe zur Musik. Gemeinsam mit dem Musikwissenschaftler Hans Kayser und den Schwestern Alice und Helene Ganguillet spielt Paul Klee regelmäßig Kammermusik, darunter Werke von Bach, Beethoven, Brahms, Buxtehude, Haydn, Mozart, und Schubert. Tragischerweise muss Klee das Musizieren 1935/1936, genau zum Entstehungszeitpunkt des Gemäldes, aus gesundheitlichen Gründen aufgeben, nachdem sich erste Anzeichen einer Sklerodermie-Erkrankung bemerkbar machen.
Beide Künstler sind nachweislich große Katzenfreunde. Kirchner kümmert sich in Davos zunächst um einen zugelaufenen schwarzer Kater namens Bobby, später wird Kater Schacky zum treuen Begleiter. Die Tiere finden sich in einer großen Zahl seiner Zeichnungen, Druckgrafiken und Gemälde, bspw. in "Artistin" (1910, Brücke-Museum, Berlin), "Mädchen mit Katze, Fränzi" (1910, Kunsthaus Zürich), "Das Wohnzimmer" (1923, Hamburger Kunsthalle) und in einigen Selbstporträts wie das "Selbstporträt mit Katze" (1920, Busch-Reisinger Museum, Harvard Art Museums) und "Selbstbildnis" (1934/37, Bündner Kunstmuseum, Chur). Auch Paul Klee ist nachweislich ein großer Katzenfreund. In seinem Schaffen findet sich bspw. "Katze und Vogel" (1928, Museum of Modern Art, New York) oder das Aquarell "Eine Art Katze" (1937, Privatsammlung, Ketterer Kunst, 315. Auktion, 12.06.2007) Bei der Familie Klee lebt in den 1920er Jahren Kater Fripouille. Später übernehmen sie den geliebten, schneeweißen Angorakater Bimbo von ihrer Haushälterin Karla Grosch, der in diesem Gemälde verewigt wird. Grosch hilft dem Ehepaar Klee damals im Haushalt und bei anderweitigen Aufgaben des alltäglichen Lebens und wird eine ihrer wichtigsten Bezugspersonen, insbesondere von Lily Klee, die Grosch damals liebevoll "Mami Klee" nennt. Bei den sonntäglichen Besuchen bei den Klees ist der Kater häufig mit von der Partie, bis er schließlich ganz in die Obhut der Klees gegeben wird.
Nach seinem Besuch 1934 schreibt E. L. Kirchner an seine Lebensgefährtin Erna: "Klees haben einen ganz weissen Angorakater, verschnitten, der ebenso verwöhnt ist wie Schacky, der wie ein Bauernlümmel dagegen wirkt. Klee ist sehr zärtlich zu ihm und schleppt ihn überall herum. Sie leben sehr sehr einfach, da sie nicht viel haben." (31.5.1934, 2978. Brief)
Ein einzigartiges Künstlerprorträt
Künstlerporträts finden sich in Kirchners Œuvre sehr selten. In früheren Jahren malt Kirchner u. a. seine "Brücke"-Kollegen Erich Heckel und Otto Mueller (siehe "Otto Mueller mit Pfeife", 1913, Brücke Museum oder "Eine Künstlergemeinschaft (Die Maler der Brücke)", 1925/26, Museum Ludwig, Köln), später porträtiert er bspw. Oskar Schlemmer und Jean Arp. Ab und an finden sich auch andere Kulturschaffende in seinen Werken, darunter Kunsthändler und Kunsthistoriker, vereinzelte Musiker, avantgardistische Tänzerinnen wie Nina Hard und Gret Palucca sowie Schriftstellerinnen und Schriftsteller wie Annette Kolb und Alfred Döblin.
Obwohl sich die künstlerischen Prinzipien Paul Klees und E. L. Kirchners deutlich unterscheiden, schätzen die Künstler sich und ihr malerisches Schaffen gegenseitig – schließlich sind beide als äußerst prägende Schlüsselfiguren und Vertreter einer eigenständigen avantgardistischen Bildsprache für die deutsche Kunst und für die europäische Kunstgeschichte bis heute von herausragender Bedeutung. Doch durch die drastische Verschärfung der politischen Lage in Deutschland, der Gleichschaltung der kulturellen Landschaft und der fortschreitenden Diffamierung und Zensur moderner Künstler fühlen sie sich womöglich auch auf einer weiteren Ebene miteinander verbunden. Insbesondere Kirchner scheint in Klee damals einen Verbündeten gesehen zu haben. Im Dezember 1937, wenige Monate vor seinem Suizid, schreibt Kirchner in einem Brief an Klee: "Ich habe leider keinen Vertreter für meine Arbeit und werde von überall her angegriffen, es ist schwer augenblicklich. Aber wir werden es durchhalten, hoffe ich, wie alle. 30 Jahre Arbeit, reine, saubere Arbeit um die Kunst kann nicht durch polit. Intrigen zerstört werden." (3487. Brief, 9.12.1937)
Zu einer für die deutsche Kunst folgenschweren und verheerenden Zeit vereint "Hommage à Klee" zwei zentrale Wegbereiter der Moderne und gilt deshalb mit seiner kompositorisch reizvollen als eines der Hauptwerke E. L. Kirchners innerhalb seiner Davoser Schaffenszeit. [CH]
Bereits nach dem Ende des Ersten Weltkriegs zieht E. L. Kirchner mit seiner Lebensgefährtin Erna Schilling in die abgeschiedene Bergwelt der Schweizer Alpen, nahe Davos. Ab 1923 findet das Paar auf dem Wildboden im Sertigtal mit dem sog. "Wildbodenhaus" ein festes Domizil, das beide bis zu ihrem jeweiligen Lebensende (1938 bzw. 1945) bewohnen.
Trotz dieser ländlichen Umgebung und Abgeschiedenheit in seinem Schweizer Bergdorf ist Kirchner über die politischen und kulturellen Ereignisse in Deutschland und in der restlichen Schweiz bestens informiert. Durch die Lektüre von Kunstzeitschriften und -büchern sowie durch seinen intensiven Briefkontakt mit zahlreichen Bekannten, Förderern und Galeristen weiß er genau, wann und wo welche Ausstellungen eröffnet werden, lässt sich die neuesten Publikationen zusenden und verfolgt das Kunstschaffen seiner deutschen Künstlerkollegen mit großem Interesse.
So ist Kirchner u. a. im Besitz beinahe sämtlicher Bauhaus-Bücher sowie der 1920 und 1921 erschienenen Klee-Monografien von Leopold Zahn und Wilhelm Hauenstein. 1930 lässt er sich dann auch die neue, 1929 publizierte Klee-Monografie von Will Grohmann zuschicken.
Über die Künstler am Bauhaus und die Arbeiten Paul Klees äußert sich Kirchner bereits in den 1920er Jahren in einigen Briefen äußerst positiv und bezeichnet sie später sogar als "feine Kunst" (Brief an Grete Ring, Nr. 2758, 5.12.1932). An den befreundeten Kunstsammler Carl Hagemann schreibt Kirchner: "Leute wie Klee, Kandinsky etc. sind mir wieder viel näher gekommen, überhaupt schätze ich das Bauhaus immer mehr." (Brief vom 26.3.1926) Wenige Jahre später schreibt Kirchner: "Ich will gern wieder mal nach Deutschland kommen und gern besonders Dessau sehen und den dortigen Kämpfern die Hand drücken. Es sind doch gute Leute dort. Kandinsky, Klee, Gropius, Schlemmer." (Brief an den Kunsthistoriker Will Grohmann, 4.1.1928)
Der avantgardistische Geist der Bauhaus-Künstler und ihr Wunsch nach Erneuerung scheint Kirchner zu faszinieren und auch seinen eigenen künstlerischen Überlegungen, seinem lebenslangen Drang nach Veränderung und Weiterentwicklung zu entsprechen: "Ich spüre […] mit Schlemmer und Klee und Kandinsky eine innere Verwandtschaft, näher und innerlicher, als ich sie je mit Künstlern früher hatte. […] alles ist so sympathisch, so vertraut, als wären es Freunde oder Brüder." (Brief an Ernst Gosebruch, Nr. 2202, 4.7.1929)
Deutschland den Rücken kehren
In den 1930er Jahren verbindet E. L. Kirchner und Paul Klee im Zuge der Zäsuren und der Diffamierung durch die NS-Kunstpolitik zudem ein geteiltes Schicksal. Während Kirchner bereits in den frühen 1920er Jahren in die Schweiz auswandert und die politischen Ereignisse in Deutschland größtenteils aus der Ferne beobachtet, entscheidet sich Paul Klee erst Mitte der 1930er Jahre Deutschland den Rücken zu kehren. 1931 hatte Klee das Dessauer Bauhaus verlassen, das im darauffolgenden Jahr von den Nationalsozialisten ohnehin geschlossen wird, und erhält eine Professur an der Kunstakademie in Düsseldorf. Bereits 1933, wenige Tage nach Hitlers Machtübernahme, wird jedoch deren Direktor Walter Kaesbach entlassen und das von der Familie Klee noch bewohnte Meisterhaus in Dessau einer Hausdurchsuchung unterzogen. Paul Klee zieht es angesichts dieser Ereignisse für einige Wochen in die Schweiz. Er bittet einen guten Freund, seinen endgültigen Umzug vorzubereiten.
In Deutschland wird seine Kunst sehr negativ besprochen. So schreibt bspw. ein Funktionär des "Kampfbundes für deutsche Kultur" in diesem Jahr: "[…] und dass man Paul Klee einmal als grossen Künstler ansehen konnte, wird für künftige Generationen eines der deutlichsten Exempel des völligen geistigen Verfalls der individualistischen Kulturepoche sein. Dinge, die nur die Lachmuskeln reizen konnten, wie das irrsinnige, kindische Geschmiere eines Klee …" (Robert Scholz, Kunstgözen stürzen, zit. nach: Beat Stutzer, Paul Klee 1933-1940, in: Ausst.-Kat. Paul Klee. Spätwerke 1937-1940, Bündner Kunstmuseum, Chur 1986, S. 111f.)
Im April 1933 wird Klee zunächst beurlaubt und im Spätherbst fristlos aus seiner Lehrtätigkeit entlassen. Will Grohmanns Monografie ˈPaul Klee. Handzeichnungen 1921-1930ˈ wird bei Erscheinen 1934 verboten und auf den Index gesetzt, auf die ˈListe des schädlichen und unerwünschten Schrifttumsˈ. In der Münchener Ausstellung ˈEntartete Kunstˈ ist Paul Klee 1937 mit 17 Werken vertreten, über 100 seiner Werke werden aus öffentlichen deutschen Sammlungen beschlagnahmt. Auf Drängen von Lily Klee erfolgt bereits im Januar 1934 die Übersiedlung in die Schweiz. Gemeinsam wohnen sie fortan in Klees Geburtstadt Bern. In einem Brief an seinen Kunsthändler Daniel-Henry Kahnweiler schreibt Klee: "In Bern gefällt es mir gut. […] Zur Zeit ist es wie ein Märchen, grosser Knall – von vorn anfangen." (Brief vom 10.1.1934, zit. nach: ebd.)
Kirchner verfolgt die Geschehnisse in Deutschland sehr genau, jedoch mit Sicherheitsabstand aus seiner Wahlheimat Davos. Sein Schaffen wird wie das vieler weiterer großer deutscher Avantgarde-Künstler Ablehnung und Diffamierung ausgesetzt und insgesamt über 600 seiner Werke werden als ˈentarteteˈ Kunst aus deutschen Museen entfernt. An seinen Bruder schreibt Kirchner 1935: "Es ging ein Aufsatz durch alle deutsche Blätter, wo ich, Klee, Kandinsky, Grosz und Dix in einen Topf geworfen und [...] gebrandmarkt wurden. […] Ich muß es eben in Kauf nehmen wenn der NS mein Tun aus Irrtum bekämpft." (E. L. Kirchner an Ulrich Kirchner, 3139. Brief, 21.9.1935)
Auch über Klees Umzug nach Bern weiß Kirchner bereits früh Bescheid. Seiner Lebensgefährtin Erna Schilling berichtet er "Klee lebt jetzt für die Dauer hier, sehr bescheiden in Dachwohnung, muss neu anfangen nochmals. Düsseldorfer Professur verloren. Ja, ja, es ist schlimm, modern zu malen. Wir haben uns 2mal nicht getroffen. Vielleicht sehe ich ihn aber noch." (2976. Brief, 27.5.1934)
Kirchner trifft Klee
Kirchner schätzt Klees künstlerisches Schaffen ungemein und möchte ihn nach dessen Umzug in die Schweiz auch unbedingt persönlich kennenlernen. So scheint es im Mai 1934 den Versuch eines Besuchs bei Lily und Paul Klee in Bern gegeben zu haben, Kirchner schreibt: "Lieber Herr Klee, das hat mir sehr leid getan, dass ich Sie nicht sah, vielleicht versuche ich es morgen nochmal, Sie zu treffen in der Kollerstrasse. Ich will Sie gewiss nicht stören, nur mal sehen. Ich kenne und schätze Sie und Ihre Arbeit schon so lange und heute müssen wir alle, die wir für die Kunst kämpfen zusammenhalten, sie ist mehr in Gefahr wie je. […] Vielleicht passt es Ihnen, wenn ich morgen gegen 11, 12 Uhr bei Ihnen vorbeikomme? Ich gehe erst in die Kunsthalle und von dort bei Ihnen vorbei. Sind Sie nicht da, macht es nichts, lassen Sie Sich nicht etwa von anderem abhalten. Ich bin bis Mittwoch etwa hier. Alles Gute Ihnen und viele Grüsse Ihres E.L. Kirchner" (2977. Brief, 27.05.1934) Das Treffen findet damals ganz offensichtlich statt, denn kurz darauf berichtet Kirchner dem befreundeten Kunstsammler Carl Hagemann "[...] daß ich Klee kennenlernte, schrieb ich Ihnen wohl schon. Ein netter Mensch." (2987. Brief, 15.06.1934)
Klees Ehefrau Lily scheint auf den Besuch des großen Expressionisten jedoch mit gemischten Gefühlen zurückzublicken, sie schreibt an eine Bekannte: Auch Kirchner besuchte uns hier [...]. Ein ganz bedeutender u. interessanter doch irgendwie unerfreulicher Mensch.“ (Brief an Gertrud Grohmann, 27.6.1934, zit. nach: Ausst.-Kat. Begegnungen. Kirchner – Klee, Aschaffenburg 2021, S. 10)
Im Februar/März 1935 zeigt die Kunsthalle Bern dann eine umfassende Einzelausstellung mit über 250 Arbeiten Paul Klees aus der Zeit seit 1919, für die Kirchner eigens nach Bern reist. Die Eröffnung verpasst er aufgrund einer Fehlinformation jedoch: "Mein lieber geehrter Herr und Frau Klee. Durch den falschen Bericht im Werk kam ich Sonntag, um die Eröffnung Ihrer Ausstellung mitzumachen und fand die Türen zu. Nun weiß ich nicht, ob mir die Zeit reicht, am Freitag wiederzukommen und deshalb will ich Ihnen lieber zuvor wenigstens Alles Gute und den Erfolg wünschen, den Sie gern hätten. Mit herzlichem Gruß einen kameradschaftlichen Händedruck von Ihrem EL Kirchner" (3060. Brief, 19.02.1935).
Paul Klee antwortet Kirchner umgehend: "Lieber Herr Kirchner, das hat mir aufrichtig leid getan dass Sie mich unter 20 dummen Umständen nicht in der Kunsthalle trafen. Ich denke aber dass es sich nachholen lässt? Hier die Ausstellung bleibt ja noch geraume Zeit hängen. Mit besten Grüßen Ihr Klee / Herzl. Grüße L. Klee" (3065. Brief, 28.2.1935).
Kirchner antwortet umgehend und äußert den Wunsch, Klee bald einmal wiederzusehen: „Lieber Herr Klee / vielen Dank für Ihre frdl. Karte, hoffentlich hat Ihre schöne Ausstellung nun den verdienten Erfolg und ist die Eröffnung gut verlaufen./ Einiges habe ich gesehen, als ich Dr. H. [Hugger] ein wenig beim Hängen half. Ich hatte auch Ihre neue Adresse und Telephonnummer nicht und dachte, dass Sie ohnehin den Kopf voll hatten und wir uns besser zu ruhigerer Zeit wiedersehen werden. […] Ihrer Frau und Ihnen / alles Gute und herzliche Grüße / Ihr E. L. Kirchner" (3066. Brief, 1.3.1935)
In den darauffolgenden Monaten bleiben Kirchner und Klee sporadisch in Kontakt. Ein weiteres Treffen ist jedoch nicht überliefert. Im Mai lädt Kirchner das Ehepaar Klee ein, seine Ausstellung im Kupferstichkabinett im Kunstmuseum Basel zu besuchen, im Januar sendet er einen freundlichen Neujahrsgruß an Klee und lädt das Ehepaar ein, ihn doch einmal in Davos zu besuchen: "Lieber Herr Klee, ich höre eben mit Bedauern, dass Sie krank waren. Da wünsche ich Ihnen für 36 Ihre Genesung und somit Alles Gute was Sie und Ihre Frau Sich wünschen. Wenn Sie die Höhe brauchen, kommen Sie zu uns nach Davos, Luft und Sonne sind schön hier. Mit herzlichem Gruss und Händedruck Ihnen und Ihrer lieben Frau / Ihr E. L. Kirchner" (3164. Brief, 2.1.1936) Die Antworten Paul Klees sind, vermutlich auch wegen seiner schlechten gesundheitlichen Verfassung, leider nicht überliefert.
Hommage à Klee
Das Gemälde entsteht sicherlich im Anschluss an Kirchners erwähnten Besuch beim Ehepaar Klee in Bern im Frühjahr 1934. Zwei vorbereitende Zeichnungen und Skizzen, die noch während Kirchners Besuch entstanden sein könnten, zeugen von einer ausführlichen Beschäftigung und intensiven künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Motiv. Im ersten Entwurf in Tusche hält der Künstler seinen Kater noch auf dem Arm und alle Augen sind auf Klee gerichtet. Im finalen Entwurf in Bleistift schaut der freche, auf einem Sessel Hintergrund thronende Kater direkt zum Betrachter, doch Klee ist und bleibt der unumstrittene Hauptperson im Mittelpunkt des Geschehens und das absolute und geistige Zentrum des Bildes.
Während sich E. L. Kirchners Werk in den früheren Schaffensjahren der "Brücke" in Dresden und Berlin mit dynamischem, bewegtem Strich, flirrenden Konturen und zum Teil spitzen, kantigen Formen auf die expressive und unmittelbare Übersetzung des Gesehenen und Erlebten fokussiert, erlebt sein Schaffen in den 1920er und dann erneut in den 1930er Jahren in Davos deutliche stilistische und formale Weiterentwicklungen. Der Künstler findet nun zu einer betont flächigen Malweise und abstrahiert seine figurativen Darstellungen, hin zu nahezu geometrischen Gebilden.
Die Formen werden nun einfacher, abstrahierter und die geschwungene Linie bzw. die Kontur spielt eine viel größere Rolle als in den Jahren zuvor. Die Farbflächen sind klar und kontrastreich voneinander abgegrenzt und in einigen Gemälden, wie auch in dieser "Hommage à Klee", erzeugt Kirchner durch den Einsatz eines Lichtkegels und dadurch hervorgerufenen Farbveränderungen ein faszinierendes Licht- und Schattenspiel.
Wie durch ein Spotlight auf der Theaterbühne werden ganz bestimmte Bereiche der privaten Szene hervorgehoben: Klee selbst, seine Violine, eines seiner Werke und das helle Fenster im Hintergrund, die linke Gesichtshälfte seiner Frau Lily, die scheinbar bewundernd zu ihm hinüberschaut sowie der weiße statueske Kater. Farblich werden diese Partien klar von den äußeren, deutlich dunkleren Bereichen abgerenzt. Ebendiese Elemente des Gemäldes verwendet Kirchner, um über Künstlerpersönlichkeit Paul Klee ein wenig mehr zu erzählen. Zum einen weist er ihn mit den farbstarken Gemälden im Hintergrund natürlich als Künstler aus, zum anderen beleuchtet er auch die private Seite Malers. So verweist die Violine, die Paul Klee mit beiden Händen umfasst, auf seine große Liebe zur Musik. Gemeinsam mit dem Musikwissenschaftler Hans Kayser und den Schwestern Alice und Helene Ganguillet spielt Paul Klee regelmäßig Kammermusik, darunter Werke von Bach, Beethoven, Brahms, Buxtehude, Haydn, Mozart, und Schubert. Tragischerweise muss Klee das Musizieren 1935/1936, genau zum Entstehungszeitpunkt des Gemäldes, aus gesundheitlichen Gründen aufgeben, nachdem sich erste Anzeichen einer Sklerodermie-Erkrankung bemerkbar machen.
Beide Künstler sind nachweislich große Katzenfreunde. Kirchner kümmert sich in Davos zunächst um einen zugelaufenen schwarzer Kater namens Bobby, später wird Kater Schacky zum treuen Begleiter. Die Tiere finden sich in einer großen Zahl seiner Zeichnungen, Druckgrafiken und Gemälde, bspw. in "Artistin" (1910, Brücke-Museum, Berlin), "Mädchen mit Katze, Fränzi" (1910, Kunsthaus Zürich), "Das Wohnzimmer" (1923, Hamburger Kunsthalle) und in einigen Selbstporträts wie das "Selbstporträt mit Katze" (1920, Busch-Reisinger Museum, Harvard Art Museums) und "Selbstbildnis" (1934/37, Bündner Kunstmuseum, Chur). Auch Paul Klee ist nachweislich ein großer Katzenfreund. In seinem Schaffen findet sich bspw. "Katze und Vogel" (1928, Museum of Modern Art, New York) oder das Aquarell "Eine Art Katze" (1937, Privatsammlung, Ketterer Kunst, 315. Auktion, 12.06.2007) Bei der Familie Klee lebt in den 1920er Jahren Kater Fripouille. Später übernehmen sie den geliebten, schneeweißen Angorakater Bimbo von ihrer Haushälterin Karla Grosch, der in diesem Gemälde verewigt wird. Grosch hilft dem Ehepaar Klee damals im Haushalt und bei anderweitigen Aufgaben des alltäglichen Lebens und wird eine ihrer wichtigsten Bezugspersonen, insbesondere von Lily Klee, die Grosch damals liebevoll "Mami Klee" nennt. Bei den sonntäglichen Besuchen bei den Klees ist der Kater häufig mit von der Partie, bis er schließlich ganz in die Obhut der Klees gegeben wird.
Nach seinem Besuch 1934 schreibt E. L. Kirchner an seine Lebensgefährtin Erna: "Klees haben einen ganz weissen Angorakater, verschnitten, der ebenso verwöhnt ist wie Schacky, der wie ein Bauernlümmel dagegen wirkt. Klee ist sehr zärtlich zu ihm und schleppt ihn überall herum. Sie leben sehr sehr einfach, da sie nicht viel haben." (31.5.1934, 2978. Brief)
Ein einzigartiges Künstlerprorträt
Künstlerporträts finden sich in Kirchners Œuvre sehr selten. In früheren Jahren malt Kirchner u. a. seine "Brücke"-Kollegen Erich Heckel und Otto Mueller (siehe "Otto Mueller mit Pfeife", 1913, Brücke Museum oder "Eine Künstlergemeinschaft (Die Maler der Brücke)", 1925/26, Museum Ludwig, Köln), später porträtiert er bspw. Oskar Schlemmer und Jean Arp. Ab und an finden sich auch andere Kulturschaffende in seinen Werken, darunter Kunsthändler und Kunsthistoriker, vereinzelte Musiker, avantgardistische Tänzerinnen wie Nina Hard und Gret Palucca sowie Schriftstellerinnen und Schriftsteller wie Annette Kolb und Alfred Döblin.
Obwohl sich die künstlerischen Prinzipien Paul Klees und E. L. Kirchners deutlich unterscheiden, schätzen die Künstler sich und ihr malerisches Schaffen gegenseitig – schließlich sind beide als äußerst prägende Schlüsselfiguren und Vertreter einer eigenständigen avantgardistischen Bildsprache für die deutsche Kunst und für die europäische Kunstgeschichte bis heute von herausragender Bedeutung. Doch durch die drastische Verschärfung der politischen Lage in Deutschland, der Gleichschaltung der kulturellen Landschaft und der fortschreitenden Diffamierung und Zensur moderner Künstler fühlen sie sich womöglich auch auf einer weiteren Ebene miteinander verbunden. Insbesondere Kirchner scheint in Klee damals einen Verbündeten gesehen zu haben. Im Dezember 1937, wenige Monate vor seinem Suizid, schreibt Kirchner in einem Brief an Klee: "Ich habe leider keinen Vertreter für meine Arbeit und werde von überall her angegriffen, es ist schwer augenblicklich. Aber wir werden es durchhalten, hoffe ich, wie alle. 30 Jahre Arbeit, reine, saubere Arbeit um die Kunst kann nicht durch polit. Intrigen zerstört werden." (3487. Brief, 9.12.1937)
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